Mit den recycelten Fahrraedern durchs Westerncape



Vor einem Monat hatte Ich fuer Siemeon und mich zwei Fahrraeder in Mitchells Plain gekauft – bei Ismael, der direkt bei der Arbeit um die Ecke ein Fahrradhandel betreibt. Er macht Fahrraeder aus Uebersee wieder fahrbar. Für einen guten Preis hatten wir dann also zwei solide recycelte Secondhand-Farraeder. Sie machen uns sehr viel mobiler und unabhaengiger von den nicht immer guten, oeffentlichen Verkehrsmitteln.
Am 10. December begannen hier die großen Sommer/Winterferien, was mit großen Discopartys an den Schulen gefeiert wurde. Die kleinen Grundschulkinder waren aufgestylt und in Feierlaune wie die Großen. Die Lehrer waren nur DJs,Tuersteher oder Pommesverteiler. Es war witzig anzusehen und schwer vorstellbar, dass so was in deutschen Grundschulen möglich wäre.
Waehrend den Ferien hatte unser Buero fuer 3 Wochen geschlossen. Obwohl wir es zwar die ganze Zeit wussten, waren Simeon und ich  mit unserer Urlaubsplanung viel zu spaet. Alle anderen Freiwilligen waren schon irgendwo eingeplant und hatten ihre zum Teil riesigen Reisen gebucht. So waren Simeon und ich auf uns alleine gestellt. Unser Plan, ein  Auto zu mieten, mussten wir auch aufgeben, denn um diese Zeit sind die bezahlbaren Mietautos einfach sofort ausgebucht.
Wir hatten einmal mehr als Witz erwaehnt, dass wir auch mit dem Fahrrad fahren koennten. Denn in unserer Wohnung liegt ein Buch von einem Mann, der einmal mit dem Fahrrad durch Afrika gefahren ist. Mit wachsender Verzweifelung wurde aus Spaß ernst. Ehrlich gesagt konnte ich es erst glauben, als wir die Fahrraeder in Fredericks Auto luden und wir uns nach Paternoster aufmachten.
Fuer die Fahrradtour waren wir aber diesmal vorbereitet. Wir hatten ein Zelt, Fahrradschlaeuche, Krampftabletten, Erste-Hilfe-Set, Werkzeug, Sekundenkleber, Traubenzucker, Energieriegel und Porec  (Maisbrei mit Aroma, den man nur mit Wasser anruehrt) besorgt. All diese Dinge kamen auch zu genüge zum Einsatz.

Weiter mit der Reise:
Wir wollten nicht direkt in der Stadt starten. Simeons Freund Frederik hat uns  mit seinem Polo erst mal in den kleinen Fischerort Paternoster abgesetzt. Von dort wollten wir dann in die Cederberge fahren – dem Elefantenriever –  bis zur Muendung folgen und die Westkueste nach Kapstadt zurueckfahren.
Unsere erste Etappe ging von Paternoster nach Vieldriff.
Ein sehr schoenes und und gut zu fahrendes Stueck. So haette es ruhig die naechsten Tage weitergehen koennen. In Vieldriff realisierte man schon, dass die Orte kleiner sind und weniger los ist als in Kapstadt. Im Vergleich zu den Orten, die noch folgen sollten, waren es aber noch Metropolen. Angekommen hielten wir also bei einem Kirchenfest an, um nach dem Weg zum Strand zu fragen. Nachdem mir ein junger Mann alles erklaehrt hatte und ich auf die Frage, woher wir denn kommen, mit Germany antwortete, passierte etwas Unglaubliches. Er meinte naemlich dann, dass sein Cousin aus Deutschland heute angekommen waere, und dass wir ihn doch unbedingt treffen sollten. Also Fahrraeder auf den Bakkie geladen und den Cousin suchen gefahren. Als wir ihn gefunden hatten, erklaerte er uns dann, dass er mit 6 Jahren nach Deutschland gezogen iwar und zur Zeit bei seiner Tante wohne, bei der wir doch bestimmt auch wohnen koennten. Also wieder auf den Bakkie und zum Haus der Tante. Auf der Fahrt wurden schonmal die ersten Drinks uns in die Hand getrueckt und den gefuehlten 30 anderen Cousin vorgestellt, denen man zufallig begegnet ist. Der Restliche Tag wurde am Strand verbracht. Zwischendurch hat uns die Tate zu einer Erkundungstour mit Besuchen bei der restlichen Verwandtschaft mitgenommen. Die Menschen waren absolut gastfreundlich zu uns. Sie wollten, dass wir fuer nichts aufkommen und wenn man dann erfaehrt, dass manche von ihnen 120 Euro verdienen, ist das schon unglaublich. Weil uns Vieldriff so gefallen hat, haben wir auch gleich eine Nacht dran gehaengt.
Etwas muehsam stiegen wir dann aber doch wieder in den Sattel. Es ging nach Picketburg. Nun konnten wir erstmals spuehren wie schnell sich das Land aufheitzt. Doch noch vor der groSen Hitze kamen wir um 12 in Picketburg an. Kaum angekommen , wurden wir mit einem Mann in´s Gespraech verwickelt. Nach einer Weile zueckte er sein Handy, telophonierte kurz und meinte dann, er habe uns ein Mittagessen arangiert. Er kenne die Managerin von einem Spur-Restaurant. Nach ihr sollten wir nur fragen. Also ging es auf zum Spur, wo ein Burger mit Pommes auf uns wartete. Die enorme Gastfreundlichkeit ueberraschte uns ein zweites mal. Nach dem Essen: Adressenaustausch mit den Angestellten. Nach einem kurzen Mittagsschlaf entschieden wir direkt weiter zu fahren, da der Ort dann doch nicht allzu viel zu bieten hatte.

Also machte wir uns bei abkuehlenden Temperaturen auf nach Citrusdal. Ab da an fuhren wir auf der N7, der Autobahn die direkt nach Kapstadt nach Windtouk(Namibia) fuehrt. Kurz befor wir ankamen, wartete die Strecke mit einem totbringenden Pass auf, der unsere letzten Energieriegel abverlangte. Der Pass war eigentlich nur von Trucks und kleinen Lkws befahren. Sehr merkwuerdige war, dass die meisten als Ladung Menschen transportierten. Es sah schon ein wenig kriminell aus.
Nachdem wir die Passabfahrt mit all den ueberholenden Trucks uberlebt hatten, kamen wir bei Sonnenuntergang in Citrusdal an. Ein unheimlich schoener an einem Fluss geelgener Ort, umgeben von Bergen. Wie der Name schon sagt, ist er bekannt fuer seine Citrusfruechte. Wir lagen richtig, dass die Menschen auf den Trucks wohl Farmarbeiter sind. Sie werden morgens und nachmitags zu den Farmen gefahren. Es sind auch genau die Farmarbeiter, die man seit Wochen in den Nachrichten streiken sieht. Sie verdienen 60 Rand am Tag verdienen.(5,80 €), und das in einem Land, das aehnlich hohe Lebenskosten hat wie  Deutschland.

Auf Empehlung der Touristinfo machten wir dann einen Abstecher nach Algeria. Was uns vorher als schoner Radweg angepriesen wurde, entwickelte sich zum Albtraum fuer uns und die Fahrraeder. Es erwartete uns ein gutes Stueck Dirtroad kombiniert mit einem Pass. Das Stueck war eigentlich nur mit einem Bakkie (Pickup) befahrbar. Doch wir quaelten uns den Pass hinauf, angetrieben von dem Gedanken, dass es mit jeder Minute noch heißer werden wird. Das war auch das einzigeste mal, dass unser Wasserspeicher von 8 Litern aufgebraucht wurde. Angekommen mussten wir erstmal hinnehmen, das Algeria eigentlich nur aus einen Campingplatz besteht. Der Ort ist Unesco-Weltkulturerbe, da 40 km weiter tausende Jahre alte Steinmalereien zu sehen sind, die man aber leider nur mit einem Auto besichtigen konnte. Dennoch hat sich Algeria gelohnt, da die Berge und der Bachlauf einfach super schoen sind. Mit einem frischgebackenen Brot und Cooldrink haben wir die wohl beste Mittagspause der Tour verbracht.

Die naechsten Tage fuhren wir auf der N7 und mussten mit den Lkws um den Plaz auf der einspurigen Autobahn kaempfen. Wir folgten dem Olefantriver, der sich durch die Cederberge schlaengelt und campten neben der Straße – an manchmal traumhaft schoenen Plaetzen. Die Orte wurden immer trostloser und kleiner. Sie bestanden meist nur noch aus einem kleinen Supermarkt, 4 Liqourstores, einem Chinaladen und Townships. Selbst der kleinste Ort hatte etwas weiter weg Townships, die um einiges mehr Menschen beherbergen als der Ort an sich. Rassismus ist dort oben immer noch an der Tagesordnung und die Verhaeltnisse haben sich seit der Appartheit wohl kaum geaendert. Es gibt die weißen Grundbesitzer. Coulereds und Schwarze bilden die Farmabeiter. In der Nachmittagssonne sitzen sie im Schatten der Laeden und leider oft auch vor den Liquorstores. Viel mehr kann man bei Temperaturen ueber 40 C auch nicht machen, denn in den Shecks der Townships wird man es noch weniger aushalten. Auch wir haben uns immer mit Cooldrink und Brot an den Fluss gesetzt und gewartet bis es wieder moeglich war weiterzufahren. Man fragt sich schon, was Chinesen hier in dieser Trostlosigkeit machen, aber anscheinend verstehen sie es noch mit dem letzten Geld der Leute Profit zu machen.
In Strandfontain trafen wir dann die ersehnte und vermisste Westkueste. So langsam hatten wir auch genug von den Steigungen der Cederberge. Die Nacht auf den 24. Dezember wurde eine ganz besondere . Wir hatten auf einem Erhoehung unser Zelt aufgeschlagen, um uns herum nur kniehoher Büsche. Mitten in der Nacht zog ein Gewitter auf. Etwas in Panik sammelten wir alle Metallgegenstände zusammen, schnuerten eine Plastiktuete und  entfernten sie von unserem Zelt. Dasselbe taten wir mit den Raedern. Etwas spaeter sahen wir dann Blaulicht durch unser Zelt leuchten. Die Polizei hatte die Fahrraeder bemerkt. Verdutzt standen sie davor und suchten den Boden ab. Wir erklaerten ihnen unsere Situation und sie fuhren wieder davon, leider ohne uns mitzunehmen. Doch ohne Zwichenfall zog das Gewitter ueber uns hinweg.
Alles war nass und es war der 24.12., Heilig Abend. Die Dirtroad machte alles noch schlimmer. Wir brauchten das doppelte der normalen Zeit nach Lambertsbay. Dort sah es nicht besser aus. Regen, ein unfreundlicher Pfarrer und ein komplett heruntergekommener Campingplatz. Daher machten wir uns dochnochmal auf nach Elandsbay. Einfach um weiter zu kommen, denn den Gedanken an einen versoehnlichen Heiligen Abend hatten wir schon aufgegeben. Doch Elandsbay ueberraschte uns absolut positiv. Zwar war es immer noch behangen. Doch der Campigplatz und der Strand waren wunderschoen und als die Sonne unterging, bot sich am Horizont ein traumhaft schoenes Farbenspiel. Es war wie ein Geschenk des Himmels.
Als wir am Weihnachtsmorgen dann wieder frueh los wollten, mussten wir festellen, dass Simeons Reifen ein Loch hatte. Selbst der Chinaladen konnte uns jetzt nicht mehr weiterhelfen. So verbrachten wir den Weihnachtsmorgen an der Staße um per Anhalter mitgenommen zu werden. Gegen unsere Befuerchtungen waren selbst an Weihnachten genuegend Bakkies unterwegs und so fanden unsere Fahrraeder schon bald Platz auf der Ladefläche eines Buren aus Johannesburg, der mit seinem Auto durch ganz Suedafrika reiste. Es war ein etwas eigenartiger Typ, aber doch sehr hilfsbereit. Abgesetzt wurden wir dann wieder in Vieldriff und irgendwie schienen uns die Stadt und die Menschen dort zu moegen. Kaum angekommen, fragte uns ein Mann im Vorbeifahren, was denn los sei. Er erklaert uns, dass sein Schwiegervater einen Baumarkt besitze und dass sich da bestimmt etwas finden ließe. Wenig spaeter standen wir im extra fuer uns geoeffneteten Baumarkt und bekamen einen neuen Reifen in die Hand gedrueckt.
So konnte der Rueckweg nach Kapstadt wieder weitergehen. Es gab nur noch eine Station vor Kapstadt: Yzerfontain. Der Weg dorthin war nochmals eine Herausvorderung. Grund war der Wind, durch den wir auch bergab treten mussten. In Yzerfontain haben wir 2 Naechte illegal auf einem Campingplatz unser Zelt aufgeschlagen. Bevor wir dann erschoepft, aber unglaublich stolz in Kapstadt eingerollt sind. Kapstadt empfieng uns mit Regen, wass unsere Freude nicht mindern konnte.

Hitze, Wind, Bergpaesse, Dirtroads, Pannen, Schlangen und Toast mit Chips konnten uns nicht unterkriegen. Es war schon manchmal extrem hart, aber es hat sich mehr als einmal gelohnt. Wir haben unglaubliche Landschaften zu sehen bekommen, unglaubliche Menschen kennengelernt, unglaubliche Situationen miterlebt und am Ende uns selbst bewiesen, dass die Idee nicht zu verrueckt war. Insgesamt haben wir mehr als 600 km zurueckgelegt, 6 Schlaeuche, einige Krampftapletten, Sonnencreme und so einige Weißbrote und Cooldrinks verbraucht. Auch die Tatsache, dass auf meinem Po wohl fuer immer der Abdruck eines Sattels zu erkennen sein wird, laesst mich nicht entmuntern. Dass die Reise fuer jeden nur 120 Euro gekostet hat, macht uns Sparfuechse natuerlich auch etwas Stolz. Damit schlagen wir wohl alle anderen Freiwilligen, die auf der Gardenrout, Wildcoast oder Mosambique unterwegs waren.

Schoolfeeds

Die letzte Woche war die Arbeit etwas abwechslungsreicher.Denn ich durfte mit an die Schulen fahren, wo jetzt in den letzten Wochen vor den Sommerferien Schoolfeeds veranstaltet werden. Dabei kochen die Schüler ein Gericht, das möglichst viel Gemüse aus dem Garten enthält. An den Schulen war aber meist nicht so eine große Auswahl vorhanden und so wurde eigentlich alles Gemüse, was man auftreiben konnte, in einen Topf geworfen. Am Ende hat es aber immer gut geschmeckt und für die Kinder was es auch eine große Freude. Dass die Gärten nicht richtig laufen, ist ein sehr großes Problem für SEED. Unabhängig von SEED wird einfach viel zu wenig für die Gärten gemacht. Es sind aber auch extrem schwere Bedingungen in den Cape Flat(südlichen Townships) Landwirtschaft zu betreiben. Das Hauptproblem ist der sandige Boden und der trockene Sommer. Man muss extrem viel Dünger und Kompost verwenden, um ihn bepflanzbar zu machen. Aber das Organische Material wird sehr leicht von Wind und Wasser wieder abgetragen. Der Schulgarten brauch daher eigentlich permanent Pflege. Besonders erschreckend war der Ausflug zu einer Schule, die vor 3 Monaten aus dem SEED-Programm ausgestiegen ist. Es sah aus, als wäre seit 2 Jahren niemand mehr im Garten gewesen. Man konnte den Garten eigentlich gar nicht mehr erkennen. Alle installierten Strukturen waren zerstört oder zugewachsen.
Meine Vermutung ist, das SEED sich auf Grund dieser Enttäuschungen aus dem Schulprogramm langsam zurückzieht. Das gestaltet sich schwierig fuer uns Freiwillige, da der Schwerpunkt unserer vorgesehenen Arbeit damit wegfaellt. Daher haben wir Sage-Net davon berichtet, damit sie auf die Neuorientierung reagieren können. Denn es ist ja schon so, dass sich die nächste Generation von Freiwilligen auf ihren Einsatz vorbereitet.
Also für alle, die an einem Freiwilligendienst in Südafrika mit Sage-Net interessiert sind: bewerbt euch jetzt!

Ein Unglaubliches Wochenende

Die Wochenende sind hier einfach der Hammer und schon jetzt die besten meines Lebens. Es gibt einfach solch ein Überangebot an Möglichkeiten. Die Natur ist einfach immer wieder umwerfend und im Moment ist fast jeden Tag Strandwetter. Auch wird man immer wieder auf Brais(Grillfreiern) und Partys eingeladen. Nur sportlich bin ich nicht ganz ausgelastet. Da müssen Simeon und ich mal uns umschauen.
Hier mal eine Beschreibung eines ziemlich genialen Wochenendes:
Nachdem wir Freitag auf einer Halloween/Hausparty waren, auf der wir gany spontan als Mumien erschienen, ging es am Freitag etwas müde erstmal mit dem Zug nach Simonstown, wo wir von Frederick abgeholt werden sollten. Frederick ist ein ehemaliger Schulkamerad von Simeon, der jetzt ein Praktikum hier in Kapstadt macht. Bevor wir uns aber in Richtung Kap der guten Hoffnung aufmachen konnten, hatten wir noch eine merkwürdige Begegnung mit einer deutschen Reisegruppe. Die einfach bei Sonnenschein in Lederhosen, Wollsocken und Lederstiefeln daher kam. Na ja, etwas verwirrt von dem Anblick, ging es mit kurzem Zwischenstopp bei einem Pinguinenstrand ans Kap. Die Landschaft , aber auch außergewöhnliche Tiere wie Pawian, Spirngboecke und Strauße, galt es zu bestaunen. Wir haben kein Bild vor dem Schild Cape of good hope, denn auch hier gibt es japanische Reisegruppen. So hätte man erstmal eine halbe Stunde dafür anstehen müssen. Es war trotzdem ein geniales Gefühl, an diesem berühmt berüchtigten Ort gewesen zu sein.
Danach hat uns Frederick zu sich eingeladen. Er wohnt in Scarbrow bei einem Priester, der er ihm in Deutschland diese Möglichkeit eines Praktikums angeboten hat. Scabrow ist so ziemlich der südafrikanische Traum. Ein kleines Dorf am Berg mit einem traumhaften Strand. Ich konnte mir schwer einen besseren Ort zum Aufwachsen vorstellen. Abendessen auf dem Balkon, während die Sonne über dem Meer untergeht. Das hat Urlaubsgefühle geweckt.
Am Sonntag waren alle Freiwillgen eingetragen, beim Internationalen Kitefestival mit zu helfen. Der Veranstalter war Cape Mental Health Das Projekt, in dem die meisten der Kapstadt-Freiwilligen arbeiten. Das Festival und vor allem die Drachen waren echt groß. Es war schön zu sehen welche Freude es den Familien bereitet hat. Denn solche Events gibt es hier viel zu selten. Die Menschen verbringen hier doch auch sehr viel Zeit im Haus – wenn sie denn ein Haus haben. Man darf natürlich nicht vergessen, dass außerhalb der Stadt es Menschen gibt, die nicht dieses Privileg haben.
Also ihr seht, das Wochenende war voller Eindrücke. Die Bilder werden euch hoffentlich beeindrucken.

Die Situation auf der Arbeit

Meine Arbeit ist im Moment nicht ganz so aufregend.
Es ist so, dass SEED im Moment etwas Probleme mit den Spenden hat. Es fehlt ein wenig das Geld, um Schulen in das Organic Classroom Programm aufzunehmen. Die wenigen Schulen, die im Programm sind, können von einem Facilator besucht werden. Es macht auch nur Sinn, dass ihn dann nur ein Freiwilliger begleitet. Das ist momentan Isabelle. SEED konzentriert sich momentan aber auch vor allem darauf, an der Rocklands Primary School, wo auch der Bürositz von SEED ist, ein Permaculure Zentrum aufzubauen. So wird meine Hilfe vor allem im Schulgarten benötigt. Ich arbeite die meiste Zeit mit Tony, dem Gaertner von SEED zusammen. Das ist sehr witzig und von ihm lerne viel über Südafrika. Jedoch bin ich mit der Situation nicht 100% zufrieden und hoffe daher, dass sich nach dem Schuljahreswechsel im Dezember sich etwas verändert. Denn dieses Jahr wird fuer SEED als ein Übergangsjahr gesehen. In den Sommerferien wird das Programm mit allen Schulen beendet und SEED wird sich nach mehr Schulen umsehen.

Eine Art von Alltag…

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Eine Art von Alltag stellt sich langsam ein. Es sind schon einige witzige Geschichten zu erzaehlen. Die Minibusfahrten zur Arbeit sind nicht mehr spannend und aufregend, sondern eher lästig geworden. Mal hat man Glueck und der Minibus faehrt geradeaus zum gewuenschten Ziel. Es gibt aber auch Tage, da faehrt er die schlimmsten Routen, um vielleicht noch ein paar Kunden zu gewinnen. Dann dauert die Fahrt auch mal 1 1/2 Stunden. Naja, ich versuche waehrend den Fahrten einfach nur gegen die Muedigkeit anzukaempfen, was meine Projektpatnerin Isi etwas nervt, da sie schon morgens um 7 sehr aktiv ist und Redebedarf hat. Wir kommen aber dennoch super klar. Generell wuerde ich das von allen Freiwilligen behaupten.
Nach der Arbeit versuchen Simeon und ich irgendwie die letzten hellen Stunden sinnvoll zu nutzen. Auch werden unsere selbstgemachten Gerichte immer besser und vorallem gesuender. Auch laeuft man nun absolut unbefreit durch die Straße. Das ständige Hupen und Schreien der Minibusfahrer hoehrt man schon nicht mehr. Unangenehm wird es nur noch wenn man ploetzlich keine Orientierung mehr hat, denn das merken die Menschen hier sofort und sofort will einem jemand helfen. Aber bisher konnte ich mich immer allein zurecht finden.
Dieses Wochenende war wohl eins der aufregendsten in meinem Leben. Samstags waren Simeon und ich Fussball gucken im Greenpoint Stadion. Das wirklich unglaublich schoene WM Stadium war echt erschreckend leer. Und als dann noch die Auswaertsmannschaft aus Pretoria 5:1 gewann, freuten sich mehr Leute ueber den Sieg. Aber ist auch etwas verstaendlich, da Ajax Cape Town ein billiger Ableger von Ajax Amsterdam ist. Sonntag haben uns unsere Mitbewohner auf einen riesiegen indischen Basar mitgenommen. Das Ganze wurde aber um laengen von der Besteigung des Lionsback getoppt. Ein unglaubliche Aussicht und super fuer geniale Bilder. Als dann die Sonne unterging und der Vollmond ueber dem golden schimmernden Kapstadt aufging, wusste ich keinen vergleichbar schoenen Anblick. Also ich kann nur sagen dieser Anblick ist eine Reise ans Kap wert. Also sagt Bescheid, wenn ihr Gefallen daran findet.
Simeon und ich machen im Moment auch viel mit Studenten aus Mowbray. Es sind immer total witzige Abende. Einzig und allein meine Arbeit macht mir noch etwas Schwierigkeiten. Es ist noch etwas langweilig und meine Arbeit besteht nur aus Aufgaben, die keinen Zusammenhang haben. Aber ich denke, wenn naechste Woche die Examen und die Ferien rum sind, wird sich das aendern.
Also ihr seht, ich komme klar hier unten und im Moment habe ich noch gar nicht die Zeit an Zuhause zu denken.

Die ersten Tage

Nachdem knapp eine Woche vergangen ist, dachte ich es ist Zeit sich zu melden. Mir geht es gut hier. Die Woche war voller neuer Eindrücke und ich könnte wohl mehrere Seiten füllen.
Alles fing an mit einem Loch in der Landebahn… aufgrund dessen wir die Anschlussflüge von London und Johannesburg verpassten. Außer dass wir 5 Stunden Verspätung hatten, lief alles sehr unkompliziert.
Zunächst war Sudafrika nicht anders als Europa, abgesehen von den Menschen. Es ist genauso hektisch, schnell und modern. Anders als gedacht, lebe ich nun nur mit Simeon in einer Wohngemeintschaft mit einem Studenten und einem Ehepaar. Auch ein ehemaliger professioneller Rugbyspieler soll hier wohnen, der sich aber die Woche noch nicht blicken gelassen hat.
Es hat seine Vor- und Nachteile, dass wir abseits der andren Freiwilligen leben. Einerseits können wir nicht so viel mit ihnen machen, denn zum Zentrum müssen wir 20 Minuten laufen. Auch fühlt man sich hier immer ein bisschen als Gast. Andereseit ist das eine enorme Chance einen Einblick in das Leben hier zu erhalten. Die Mitbewohner sind super nett und sehr diskussionsfreudig. Die Tipps von ihnen haben uns schon sehr geholfen.
Am Freitag hatte ich meinen ersten Arbeitstag und ich muss sagen, das Projekt ist fast genauso wie ich es mir vorgestellt habe. Das Problem ist nur, dass entweder ich oder meine Projektpatnerin Isabelle im Gormet Mushroom Projekt arbeiten werde, da das Organic Classroom Projekt im Moment nicht genug Schulen im Programm hat. Es kann also sein, dass ich nicht mit Kindern arbeiten werde, sondern mit Erwachsenen.
Samstags haben wir dann das Kapstadt der Touristen gesehen. Mit den Hop in Hop on Bussen konnten wir die einzigartige Landschaft bestaunen. Der Kontrast zwischen den Townships und den pompösen Villen ist unglaublich. Am Sonntag sind wir das erste Mal an den Strand gefahren. Ich dachte eigentlich, dass ich das Meer schon viel fruehr zu sehen bekomme. Doch in meinem Stadteil merkt man gar nichts von den „zwei Ozeanen“. Es ist also nicht so, dass wir jeden zweiten Tag am Meer chillen. Dazu hab ich garnicht die Zeit. Ich komme erst nach 5 von der Arbeit nach Hause und um 7 ist es schon dunkel. Sobald es dunkel wird, ist man in seinen Möglichkeiten ziemlich eingeschränkt. Ab 6 ist hier alles ziemlich ausgestorben und fast alle Geschäfte sind geschlossen. Es ist aber nicht so, dass man Abends nicht mehr weggeht. Im Gegenteil: Observatory hat eine ganze Strasse mit verschiedenen Bars und Cafes. Es ist ein sehr junges Viertel mit vielen Studenten und ich denke, dass ich mich hier sehr wohlfühlen werde.

Letzte Nacht im trauten Heim

Der 11. September ist gerade angebrochen. Heute um 17:15 Uhr werde ich Deutschland für ein Jahr verlassen. Am 12. um 12:00 Uhr werde ich dann schon in Kapstadt sein. Es ist ein komisches Gefühl. Abschiedsstimmung kommt nur sehr selten auf und man realisiert es null, dass man für ein Jahr an einem komplett anderen Ort leben wird.
Alle Impfungen sind getätigt. Alle Spenden sind gesammelt. Mein Koffer ist gepackt und von den meisten Leuten konnte ich mich nochmal persönlich verabschieden. Nun kann es endlich losgehen.
Naja, nicht ganz, mein Visum ist nämlich am Abend vor der Abreise immer noch nicht da.
Doch nachdem ich die wohl stressigsten Stunden meines Lebens hinter mir habe – Basti kann es bezeugen – habe ich nun die Garantie, dass das Visum morgen früh da sein wird. Nach etlichen Telefonaten und E-Mails mit der Botschaft scheint es so, als hätte es doch noch geklappt. Heute morgen habe ich daran schon nicht mehr geglaubt.
Ich will mich hiermit auch von allen vertrauten Leuten verabschieden. Vor allem von denen, bei denen ich es nicht mehr geschafft habe, persönlich „Tschüss“ zu sagen.
Ich danke auch nochmals meinem Unterstützerkreis, die das Ganze möglich gemacht haben. Hierbei ist die St. Barbara Apotheke, der Naturkost Schwarz und die Bäckerei Biedenkopf zu nennen.
Also ich werde dann mal meine letzte Nacht hier genießen und sage auf Wiedersehen bis in einem Jahr.
Ich werdet dann wohl erst wieder aus Südafrika von mir hören.
Gute Nacht 😉

10 Tage im verträumten Buckow

Das Vorbereitungsseminar fand in der Zeit vom 2.7-11.7.2012 statt. Untergebracht waren wir im Umweltzentrum „Drei Eichen“ in Buckow. Das Zentrum ist nur von Natur umgeben und so war es die erste Aufgabe den Weg dorthin zu finden. Angekommen, erkannte ich noch ein Paar Gesichter vom Auswahltag in Berlin.
Die Abgeschiedenheit gab mir die Gelegenheit die anderen 22 Freiwilligen kennen zu lernen und mich auf die intensive Vorbereitung zu konzentrieren.
Wir Freiwilligen haben uns sehr schnell und gut als Gruppe verstanden und ich freue mich mit ihnen zusammen diese Erfahrung zu machen.

SAGE-Net hat uns in diesen Punkten auf Südafrika vorbereitet: persönliche Motivation, Geschichte/Apartheit, kultureller Rassismus, Sicherheit/Aids, Doe`s and Dont`s, Werte und Identität. Natürlich wurden auch Organisatorische Sachen,wie Visum, Versicherung und Fundraising geklärt. Ich habe auch gemerkt in was für tollen Projekten, die anderen Freiwilligen untergebracht sind.
Es war auch sehr gut das mehrer ehemalige Freiwillige da waren, die wir zu allem und jedem befragen konnten.

Alles in Allem war es eine sehr schöne Zeit die mich in meinem Beschluss bestärkt hat. Die Organisation und die Aktiven haben einen sehr sympatischen Eindruck auf mich gemacht.
Ich schätze mich absolut glücklich, dass ich ein Teil des SAGE-Net Jahrgangs 2012/13 bin.
PS: So manch einen Energizer(Aktivierungsspiel) wird mich wohl nie wieder loslassen.